
„Mit dem Branchenwachstum sind wir sehr zufrieden, die hohen, stark schwankenden Zinkpreise machen uns jedoch zu schaffen“, kommentiert Ulrich Henssler, Vorsitzender des Industrieverbandes Feuerverzinken die wirtschaftliche Situation in der deutschen Feuerverzinkungsindustrie. Die Branche hat die Talsohle durchschritten und verbuchte mit einer Mengensteigerung von 12,9 Prozent im Jahr 2006 den stärksten Zuwachs innerhalb der letzten Dekade.
Auf der Jahres-Pressekonferenz der Feuerverzinker am 22. Oktober 2007 in Stuttgart präsentierte sich eine Industrie in Bestform, die auch für das laufende Jahr 2007 Mengenzuwächse zwischen 5 bis 10 Prozent erwartet. „Bei aller Freude über die positive wirtschaftliche Situation, darf man nicht vergessen, wo wir herkommen. Wir haben nach einer langen Durststrecke lediglich wieder das Niveau erreicht, auf dem wir bereits in den Jahren 1996 bis 2000 angelangt waren“, ergänzt Henssler dämpfend mit mahnender Miene. Die Jahre nach 2000 waren geprägt durch sinkende Verzinkungspreise und geringe Verzinkungsmengen bei steigenden Kosten. Die deutsche Verzinkungsindustrie hat diese wirtschaftlich schmerzliche Zeit dazu genutzt, in erheblichem Maße Rationalisierungsmaßnahmen durchzuführen und damit Kosteneinsparungspotenziale zu erschließen. Sie ist gestärkt aus diesem Prozess hervorgegangen. Trotz hoher Zuwächse liegt der Auslastungsgrad der deutschen Verzinkungsbetriebe im europäischen Vergleich jedoch deutlich unter dem Durchschnitt. Auch wenn es vereinzelt saisonal bedingte Engpässe gibt, sind insgesamt ausreichende Kapazitäten vorhanden, um auch weitere Mengensteigerungen aufzunehmen.
1,4 Mio. Tonnen Stahl wurden im Jahr 2006 von den rund 160 Verzinkereien in Deutschland stückverzinkt. Durch Feuerverzinken wird Stahl langlebig vor Rost geschützt. Beim industriellen Verzinkungsprozess ist insbesondere an den Schnittstellen am Prozessbeginn und am Prozessende in erheblichem Maße manuelle Arbeit erforderlich. Die mittelständisch geprägte Branche, die überwiegend im Lohnauftrag für ihre Kunden tätig ist, gibt rund 4700 Menschen Arbeit. Viele Betriebe runden mit zusätzlichen Dienstleistungen, beispielsweise in der Logistik, das Angebot ab. Um auch zukünftig den steigenden Kundenanforderungen gerecht zu werden, entstand auf Initiative der Feuerverzinkungsindustrie im Jahr 2005 das neue Berufsbild Oberflächenbeschichter mit der Spezialisierungsmöglichkeit zum Feuerverzinker. Ebenso agiert die Branche beim Umweltschutz vorbildlich. Die Betriebe laufen als geschlossene Systeme, eingesetzte Stoffe werden recycelt. Eine Studie der Technischen Universität Berlin hat Korrosionsschutzsysteme verglichen und eine Öko-Bilanz erstellt. In allen untersuchten Bereichen, beispielsweise bei den CO2-Emissionen oder dem Ressourcen- und Energieverbrauch, ist die Feuerverzinkung überlegen.
Jede zweite Tonne stückverzinkten Stahls wird im Bauwesen eingesetzt, beispielsweise um Balkongeländer, Treppen und Stahlträger vor Korrosion zu schützen. „Auch wenn der Marktanteil im Bauwesen bereits sehr hoch ist, sind in diesem Bereich noch Wachstumspotenziale vorhanden, beispielsweise im Stahlbau und im Bereich des Feuerverzinkens von Betonstahl“, stellt Ulrich Henssler fest. Außerhalb des Bauwesens konnte das Feuerverzinken im Fahrzeugbau kräftig zulegen. Seit 2000 stieg die Größe dieses Marktsegmentes von 5,9 auf 11,3 Prozent und hat sich damit nahezu verdoppelt. Die Mengenzuwächse in diesem Segment entstanden vor allem durch die Erschließung von Nutzfahrzeugtrailern für das Feuerverzinken und haben einen kleinen Beitrag zur Entkopplung der Feuerverzinkungsindustrie vom Bauwesen geleistet.
Ein großer Unsicherheitsfaktor für die Feuerverzinkungsindustrie ist noch immer die Entwicklung des Zinkpreises, der sich seit 2005 verdreifacht hat. Experten gehen davon aus, dass der Zinkpreis weiterhin auf einem hohen Niveau verharren wird, auch wenn die Zeit der extremen Ausschläge nach oben vorbei zu sein scheint. Aus Sicht der Feuerverzinkungsindustrie verursachen die hohen Zinkpreise in einigen Bereichen Substitutionsgefahren, beispielsweise bei Serienprodukten und im Stahlhallenbau.
Noch wünschenswerter als niedrige Zinkpreise ist für die Feuerverzinkungsindustrie ein stabiles Zinkpreisniveau. Zink ist ein durchlaufender Posten, der Eins zu Eins an die Kunden weitergegeben werden muss. Die permanenten Zinkpreisschwankungen sorgen für eine hohe Kalkulationsunsicherheit bei den Abnehmern.
„Unsere Kunden haben akzeptiert, dass wir mit einem Metallteuerungszuschlag arbeiten, der an die Schwankungen des Zinkpreises angepasst wird. Doch die Unsicherheit hinsichtlich der Preisentwicklung des Rohstoffes ist groß. Wir sind hier vom Weltmarkt abhängig“, beschreibt Henssler die Lage und ergänzt: „Unterm Strich überwiegt die Zufriedenheit. Die deutsche Feuerverzinkungsindustrie hat die konjunkturelle Belebung der Wirtschaft nicht nur nachvollzogen, sondern zeigt eine überdurchschnittlich positive Entwicklung auf.“
Abbildungen:
Abb. 1: Dipl.-Vw. Ulrich Henssler, Vorsitzender des Industrieverbandes Feuerverzinken e.V.
Abb. 2: Jede zweite Tonne feuerverzinkten Stahls ist dem Bauwesen zuzurechnen
Abb. 3: Das Bauwesen ist nach wie vor der größte Auftraggeber der Feuerverzinker
Abb. 4: Die hohen schwankenden Zinkpreise machen den Feuerverzinkern zu schaffen
Backgrounder: Der Industrieverband Feuerverzinken e.V. und seine Serviceorganisation, das Institut Feuerverzinken GmbH, vertreten mit 108 Mitgliedern rund 75% des deutschen Feuerverzinkungsmarktes. Im Jahr 2006 wurden von der Branche in Deutschland ca. 1,4 Mio. t Stahl stückverzinkt. Wichtige Anwendungsbereiche des Korrosionsschutzes durch Feuerverzinken sind u.a. Architektur und Bauwesen sowie die Verkehrstechnik und der Fahrzeugbau. Weitere Informationen zum Feuerverzinken unter www.feuerverzinken.com. 




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