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2.12 Nacharbeiten und Ausbessern


1. Allgemeines

Durch Feuerverzinken hergestellte Zinküberzüge weisen neben einer hohen Korrosionsbeständigkeit auch eine hohe Verschleißfestigkeit auf, die sie robust und widerstandsfähig machen. Trotzdem kann es hin und wieder vorkommen, dass der Zinküberzug unverzinkte Stellen, Unsauberkeiten oder Beschädigungen aufweist, die dann eine Nacharbeit oder eine Ausbesserung des verzinkten Teils erfordern.

 

2. Zinkverdickungen, Tropfnasen

Beim Feuerverzinken werden Stahlteile nach entsprechender Vorbehandlung in ein Bad mit schmelzflüssigem Zink getaucht. Wie jede andere Flüssigkeit auch, tropft das (über-) flüssige Zink ab. Es kann dabei vorkommen, dass das abfließende Zink erstarrt und kleine Verdickungen oder Tropfnasen bildet. Wenn diese Verdickungen nicht allzu groß geraten sind, stören sie kaum und sollten daher so verbleiben, wie sie sind. Wenn es aber darum geht, Stahlteile passgenau zusammenzufügen oder zu montieren, können sie unter Umständen Probleme bereiten (Abb. I).




Abb. 1: Tropfnase an einer feuerverzinkten Rohrkonstruktion



Falsch wäre es, diese Verdickungen einfach abzuschlagen oder mit dem Winkel-

schleifer rigoros wegzuschleifen. Hierbei besteht die Gefahr, dass der Zinküberzug völlig abgeschliffen wird und der blanke Stahl freiliegt. Ein Bearbeiten mit der Feile in Handarbeit oder ein mechanisches Schleifen mit Hilfe eines Winkelschleifers und einer flexiblen Scheibe sind zweckmäßiger.

Eine weitere Möglichkeit ist das Abschmelzen des überflüssigen Zinktropfens mittels Schweißflamme. Mit einer weichen Flamme wird der Zinküberzug lokal aufgeschmolzen (nicht verbrannt). Wird das Zink flüssig, tropft es entweder von selbst ab, oder es kann mit Hilfe einer Drahtbürste oder eines Blechspachtels beseitigt werden.

In jedem Fall sind Zinkverdickungen oder Tropfnasen aber zu entfernen, wenn sie sehr spitz sind und wenn von ihnen beim Transport, der Montage oder beim späteren Gebrauch eine Verletzungsgefahr ausgeht (Abb. 2).




Abb. 2: Zinkspitzen, von denen eine Verletzungsgefahr ausgeht, müssen entfernt werden



 

3. Scharniere und Gewindebolzen

Sind Gewindebolzen an einer Stahlkonstruktion, die feuerverzinkt werden soll, angeschweißt, so ist das Gewinde nach dem Feuerverzinken in der Regel nicht mehr gängig. Ein Nachschneiden des Gewindes mit dem Schneideisen ist mühsam und zeitaufwendig. Einfacher, besser und schneller ist auch hier das Aufschmel-

zen des Zinküberzuges mit einer Flamme und das Ausbürsten des Zinks aus dem Gewinde mit einer Drahtbürste. Hierbei wird nur ein Teil des Zinks entfernt; das verbleibende Zink sichert den Schutz vor Korrosion.

An manchen Bauteilen sind Scharniere oder Gelenke angebracht; wenn deren Zinküberzug abkühlt und erstarrt, verlötet er diese beweglichen Teile, die dann „bombenfest" sitzen.

In solchen Fällen sollte man keine Gewalt anwenden, sondern wiederum eine weiche Schweißflamme einsetzen und damit den Zinküberzug aufschmelzen. Wenn das Zink flüssig wird, läßt sich das Scharnierteil wieder bewegen. Man bewegt das Teil bis zum Erstarren des Zinküberzuges hin und her; die Beweg-

lichkeit bleibt dann auch nach dem Abkühlen erhalten.

 

4. Oxidhäute und Zinkflitter

Beim Ausziehen von Stahlteilen aus der Zinkschmelze läuft überflüssiges Zink zurück in die Schmelze. Das flüssige Zink reagiert jedoch rasch mit der Umge-

bungsluft und bildet auf der Oberfläche eine dünne Oxidhaut. Bei bestimmten Bauteilen (z.B. Rahmen mit Welldrahtgeflecht, Gitterroste) kann es mitunter vorkommen, dass in einigen Ecken folienartiger Zinkflitter zurückbleibt (Abb. 3).

Im Einzelfall stören diese kleinen Rückstände nicht weiter; sollten sie bei einem speziellen Einsatzzweck jedoch einmal hinderlich sein, kann man sie durch Abfegen mit einem Stahlbesen oder einer Drahtbürste leicht entfernen.

 




Abb. 3: Zinkflitter kann durch Abbürsten mit einem Stahlbesen entfernt werden.



 

5. Fehlstellen und Beschädigungen

Kommt es zu Beschädigungen und Fehlstellen, sollte nicht nur das Feuerver-

zinkungsunternehmen gemäß DIN EN ISO 1461 "Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge (Stückverzinken)" eine Ausbesserung durchführen, sondern es sollten auch diejenigen Schäden, die außerhalb des Verantwortungs-

bereiches der Feuerverzinkerei entstanden sind (z.B. beim Transport oder der Montage), entsprechend den in der Norm aufgeführten Regeln ausgebessert werden.

Die Norm DIN EN ISO 1461 regelt das Ausbessern von Fehlstellen im Detail. Es heißt dort unter Abschnitt 6.3 "Ausbesserung":

„Die Summe der Bereiche ohne Überzug, die ausgebessert werden müssen, darf 0,5% der Gesamtoberfläche eines Einzelteils nicht überschreiten. Ein einzelner Bereich ohne Überzug darf in seiner Größe 10 cm² nicht übersteigen. Falls größere Bereiche ohne Überzug vorliegen, muss das betreffende Bauteil neu verzinkt werden, falls keine anderen Vereinbarungen zwischen Auftraggeber und Feuerverzinkungsunternehmen getroffen werden.

Die Ausbesserung muss durch thermisches Spritzen mit Zink (DIN EN ISO 2063) oder durch eine geeignete Zinkstaubbeschichtung, innerhalb der praktikablen Grenzen solcher Systeme erfolgen. Die Verwendung von Loten auf Zinkbasis ist ebenfalls möglich. Der Auftraggeber bzw. Endverbraucher muss über das verwendete Ausbesserungsverfahren informiert werden.

Wenn gesonderte Anforderungen vereinbart werden, z. B. das Auftragen zusätzlicher Beschichtungen, muß der Verzinker zuvor den Auftraggeber über die Art der Ausbesserung informieren.

Die Ausbesserung muss die Entfernung von Verunreinigungen und die notwendige Reinigung und Oberflächenvorbereitung der Schadstelle zur Sicherstellung des Haftvermögens beinhalten.

Die Schichtdicke des ausgebesserten Bereiches muss mindestens 30 µm mehr betragen als die geforderte örtliche Dicke des Zinküberzugs an der entsprechenden Stelle, falls keine anderslautenden Vereinbarungen getroffen wurden, z. B. wenn eine zusätzliche Beschichtung aufgetragen werden soll, und daher die Schichtdicke der Ausbesserungsstelle die gleiche Dicke aufweisen soll wie der Zinküberzug. An den ausgebesserten Stellen muss ein hinreichender Korrosionsschutz sichergestellt sein."

Die in DIN EN ISO 1461 festgelegten Ausbesserungsverfahren sind sowohl hinsichtlich des erforderlichen Aufwandes als auch bezüglich der Schutzwirkung unterschiedlich. Das Thermische Spritzen mit Zink (Abb. 4) bzw. das Auftragen geeigneter Zinkstaubbeschichtungen ist i.d.R. den Loten auf Zinkbasis vorzuziehen.




Abb. 4: Ausbesserung durch Thermisches Spritzen mit Zink

Als Zinkstaub-Beschichtungsstoffe haben sich bewährt:


Zweikomponenten Epoxidharz-luftfeuchtigkeitshärtende Einkomponenten-Polyurethan- oder
luftfeuchtigkeitshärtende Einkomponenten-Ethylsilikat-Zinkstaubbeschichtungsstoffe

Andere Ausbesserungsverfahren, zum Beispiel mit Hilfe spezieller Lote oder mit speziellen selbstklebenden Zink-Metallfolien bedarf nach Norm der Vereinbarung zwischen den Vertragspartnern.

Die Ausbesserung ist so vorzunehmen, dass eine Überlappung mit dem intakten Zinküberzug sichergestellt ist.


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